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Erstlesebücher

Heute möchte ich ausnahmsweise kein Buch vorstellen – sondern gerne ein Thema diskutieren, das mir zur Zeit sehr am Herzen liegt: Das Thema Erstlesebücher.

Wie ich ja vielleicht schon einmal erwähnt habe, geht mein 6-jähriger Sohn in die erste Klasse. Er stellt sich beim Lesen durchaus geschickt an, er liebt Bücher und er lässt sich beim Vorlesen auch von verschiedensten Themen begeistern. Doch es ist immer noch schwierig, ihn zum Selberlesen zu motivieren. Natürlich kann es sein, dass die Zeit noch nicht ganz reif ist – aber ein wenig beschleicht mich auch das Gefühl, dass wir bisher noch nicht die wirklich tollen Bücher entdeckt haben. Wie kommt das?

Auf den ersten Blick glaubt man, am Angebot kann es ja nicht liegen. Jeder renommierte Verlag hat eine Erstlesekategorie mit ansprechendem Namen im Programm. Doch bei all den Leseraben, Lesemäusen, Bücherbären und Lesespatzen bekommt man schnell das Gefühl, dass die Masse – nicht aber die Klasse dominiert. Unzählige Erzählbände die abenteuerlich, gruselig, zauberhaft, spannend oder kniffelig sein sollen richten sich an „clevere“ oder wahlweise „starke“ Mädchen oder Jungs. Doch all die wunderbaren Adjektive können nicht verhüllen, wie gähnend langweilig und platt diese Geschichten in Wahrheit sind. Gerade wenn man als Eltern zum Vorlesen ein wenig Zeit und Mühe auf die Buchauswahl  verwendet und sich gemeinsam an wunderschönen gemeinsamen Vorlesestunden erfreut hat, erscheint diese neue Lesephase ziemlich frustrierend. Natürlich ist es klar, dass Bücher für Erstleser erst einmal bestimmte formale Kriterien erfüllen sollen, wie zum Beispiel der richtige Schrifttypus, die richtige Schriftgröße, eine geringe Buchstabenzahl pro Zeile, ein hoher Illustrationsanteil, etc. Und natürlich sollen sich Erstleser nicht sofort überfordert fühlen – aber muss man Kinder deshalb inhaltlich derart unterfordern und langweilen? Ein Beispiel gefällig? In den Erstlesegeschichten für clevere Jungs wird in 48 Sätzen der Streit dreier Schulfreunde beschrieben, die ihre Pausenbrote tauschen wollen. Dabei fallen Sätze wie: „Seht ihr, Mathe kann man immer gut gebrauchen“ oder „Ich mag nämlich viel lieber was Gesundes.“ Puuh. Das ist mir ja als Erwachsener schon zu fade – und der Zeigefinger viel zu offensichtlich! Zur Erinnerung: Maurice Sendak schafft es, in nur 17 Sätzen eine ganze Welt zu erschaffen, die poetisch und spannend ist, und in der sich jedes Kind wieder findet.

Natürlich glaube ich immer noch daran, dass es Bücher à la Wo die wilden Kerle wohnen auch für Erstleser gibt – ich habe sie wohl nur noch nicht gefunden…. Bevor ich den Ball in das Feld meiner lieben Leser kicke, möchte ich euch hier noch einen kurzen Überblick geben, wo ich auf der Suche nach „gutem Lesestoff“  für Erstklässler momentan stehe:

  • Die Empfehlungen der Stiftung Lesen finde ich enttäuschend.
  • Die Recherche auf Antolin, dem Leseförder-Portal, zeigt, dass es dort leider keine qualitativen, sondern nur altersgerechte Empfehlungen gibt. Und so bin ich dort neben den oben beschriebenen „Lesetieren“ bei den Büchern für Erstklässler auf so schöne Titel wie „Conny“ gestoßen – die ja leider die Leitfigur der Plattheiten darstellt. Außerdem fand ich dort die klassischen Märchen – oder aber diverse Bilderbücher, die wir zum Vorlesen bereits seit 2-3 Jahren nutzen. Immerhin brachte mich das auf die Idee, in dieser bereits bekannten und für gut befundenen Kategorie zu verweilen und nach Bilderbüchern zum selber lesen zu suchen, die einen 6-jährigen thematisch ansprechen. So nach und nach werde ich hier auch fündig – und werde darüber berichten.
  • Meinen hochgeschätzten „Bloggerkollegen“ wie zum Beispiel Jarg oder Papillionis scheint auch noch nicht allzu viel Gutes zum Selberlesen für 6-jährige untergekommen zu sein. Wenigstens konnte ich bei ihnen hin und wieder schon ein paar schöne Bücher entdecken. Hier auf jeden Fall einmal zwei Bücher, die ich auf ihren Bücherblogs entdeckt habe: 3 freche Mäuse und Die Nacht der sieben Wünsche.
  • Es gibt doch noch Verlage, die dem Thema Erstlesebücher mehr Bedeutung zukommen lassen. Diese sind zum Beispiel der Tulipan Verlag, der eine Reihe sehr humorvoller Bücher im Programm hat, oder der Oetinger Verlag, der in der Reihe „Büchersterne“ gerne auf bewährte Autoren wie Paul Maar, Kirsten Boie oder Cornelia Funke zurück greift. Das ist meine Chance, hier muss ich noch mehr schmökern.

Aber was wäre das Web, wenn es hier nicht Unterstützung gäbe?

Deshalb möchte ich mich an Euch, liebe Leser, wenden und die Frage an euch weiter geben: Welche Bücher für Erstleser könnt ihr empfehlen? Über Vorschläge in den Kommentaren freue ich mich sehr!

Foto: Kids reading together, © Marzanna Syncerz

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4 Kommentare zu “Erstlesebücher

  1. deinbuchmonster
    19. März 2014

    Hallo, ich finde das Buch die „Superhelden und der blaue Honk“ (Tulipan) empfehlenswert. Die Geschichte ist tatsächlich lustig, da sie kreativ mit den bekannten Superhelden-Klischees spielt. Auf meinem Blog habe ich das Buch mit einer kurzen Leseprobe zum Anhören für Kinder vorgestellt. So kann der „Erstleser“ gleich einen ersten Eindruck bekommen, ob er es lesenswert findet:)
    Beste Grüße von deinbuchmonster.de

    • kinderbuchblog
      19. März 2014

      Vielen Dank, liebes Buchmonster. Klingt gut! Und dein Blog ist auch toll, da werde ich öfter mal vorbei kommen.

  2. Gaby
    7. April 2014

    So einfach ist das tatsächlich nicht. Denn es gibt ja Erstleser (vor allem Mädchen), die ganz begierig darauf sind, endlich selber zu lesen und schnell auch komplexere Texte schaffen. Und dann gibt es solche (vor allem Jungs), die finden lesen einfach „anstrengend“ – und da muss man anders ran.

    Mein Sohn hat in der 1. Klasse vor allem Bilderbücher zum Lesen üben genutzt. „Was machen die Jungs?“ von Nikolaus Heidelbach, oder „Alle Kinder, ein ABC der Schadenfreude“. Ganz gut geht bei vielen Jungs auch „Cowboy Klaus“ aus dem Tulipan-Verlag (der macht übrigens Erstlese-Bücher, die sich recht wohltuend vom Rest dieser Kategorie abheben).

    Richtig gut gefallen meinem Sohn die Bücher von Detektiv Nick Nase. Das sind einfache Texte, aber nicht blöde. Es ist eine spannende kleine Geschichte jedes Mal, man will schon wissen, wie es weiter geht, kann selber mitdenken und es wird nicht langweilig. Das ist viel für ein Erstlese-Buch.

    Ganz gut funktionieren auch Rate-Krimis von Julian Press, wo man ein großes Bild und einen kleinen Text hat, und das eine funktioniert nicht ohne das andere, d.h. man MUSS lesen, um die Lösung herauszufinden.

    Von Oetinger „Büchersterne“ finde ich ganz empfehlenswert die Erstlese-Bücher von Millie (ab 1. Klasse), für etwas ältere Kinder auch z.B. „Geschichten vom Franz“ von Christine Nöstlinger (ab 3. Klasse).

    Auch geeignet sind „Die Olchies“-Bücher von „Oetinger Sonne, Mond, und Sterne“. (aber mein Sohn findet die doof, sonst hätte ich es sicher mal damit probiert). Für etwas ältere Kinder (2./3.Klasse) geht auch der „Kleine Drache Kokosnuss“.

    90% der Erst-Lese-Bücher finde ich dagegen so grenzwertig langweilig und dumm, so schlecht geschrieben und dabei mit einer so komplett kinderfernen Wortwahl, dass ich sie gar nicht erst mit nach Hause gebracht habe.

    Warum man Erstlese-Bücher so langweilig macht, ist mir ein Rätsel. Aber schön, dass das mal jemand thematisiert.

    • kinderbuchblog
      8. April 2014

      Liebe Gaby, danke für deinen Kommentar und deine zahlreichen Tipps. Auf Cowboy Klaus sind wir mittlerweile auch gestoßen (werde ich demnächst hier vorstellen), Nick Nase habe ich mir direkt notiert – und auch bei den Olchis stimme ich dir zu – die sind wohl nicht jedermanns Sache! Ich freue mich auf jeden Fall auf die Zeit, wenn wir die nächste Stufe erklommen haben…

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. März 2014 von in Dies und Das und getaggt mit , .
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